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Biokampfstoffe und pestizidfreie Landwirtschaft


Dr. Friedhelm Berger und Hanno Krzak im Gespräch mit Michael Friedrich Vogt.
Vermeintlich haben wir die Wahlfreiheit, ohne Belastung durch Pflanzenschutzmittel zu leben. Aber: Gibt es überhaupt pestizidfreie Regionen in Deutschland?

Der Absatz von biologisch angebauten Lebensmitteln steigt von Jahr zu Jahr. Das Bewußtsein für eine gesunde Lebensweise und gesunde Lebensmittel beschäftigt sehr viele Menschen in Deutschland und in Europa. Wen wundert es, Meldungen über Pestizidfunde in Lebensmitteln hört man allwöchentlich und was Insekten, Pilze und Pflanzen vernichtet, kann für die menschliche Gesundheit nicht harmlos sein, schon gar nicht wenn man täglich einen Mix aus diesen toxischen Substanzen zu sich nimmt. Im Bezug auf unsere Lebensmittel haben wir eine (in Wahrheit oft auch nur eine vermeintliche) Wahlfreiheit. Doch wie sieht es mit den übrigen Pestizidbelastungen aus?

Auf welche Art nehmen wir Pestizide zu uns?
nur 1 bis 10 % der Pflanzenschutzmittel gelangen in und auf unsere Kulturpflanzen
etwa 90 % der Gifte diffundieren in die Luft
9 % landen im Boden und in unserem Grundwasser.

Unsere Lunge ist für die Aufnahme flüchtiger chemischer Substanzen das fähigste Organ. Auch wenn wir unsere Ernährung vollständig auf pestizidfreie Nahrungsmittel umstellen, nehmen wir dennoch täglich Pflanzenschutzgifte durch die Atemluft auf. Besorgniserregend ist diese Tatsache insbesondere für Menschen die allergisch auf ein oder mehrere Pflanzenschutzmittel reagieren.

Wo finden diese Menschen eine gesunde Heimat in Deutschland? Der Umweltbund e.V. ist dieser Frage auf den Grund gegangen und hat alle Bundesländer angefragt, in welchen Regionen und Kurorten pestizidfreies Leben möglich ist. Die Auskünfte der Länder geben Aufschluß über die biologische Lebensqualität in Deutschland.
Herbizide hinterlassen deutliche Spuren auf Blättern von Bäumen und Kulturpflanzen. Insektizide und Fungizide dagegen nicht. Die meisten Pflanzenschutzmittel sind sehr flüchtig und gelangen zum größten Teil in unsere Atemluft. Über die Auswirkungen dieses Chemiecocktails schweigt man von Seiten der „Verbraucherschutz“behörden.
Was steht im Gesetz, zu Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf unsere Gesundheit?

§ 13 Vorschriften für die Einschränkung der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln

(1) Pflanzenschutzmittel dürfen nicht angewandt werden, soweit der Anwender damit rechnen muß, daß ihre Anwendung im Einzelfall
1. schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch oder Tier oder auf das Grundwasser oder
2. sonstige erhebliche schädliche Auswirkungen, insbesondere auf den Naturhaushalt, hat.

Nach diesem Regelwerk dürften also die meisten Pestizide in Deutschland an sich nicht angewandt werden:
Pestizide verursachen Krankheiten, u. a. Übelkeit, Sehstörungen, Kopfschmerzen, vielfältige allergische Reaktionen, Immundepression, Diabetes, Herzleiden, rheumatische Erkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen, Parkinson, chronische Augenentzündung & Bronchialerkrankungen, Asthma, Hautkrankheiten, Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit und Krebs.
Pestizide sind flüchtig und bleiben nicht an dem Ort für den Sie bestimmt sind. Etwa 90 % der Pflanzenschutzmittel diffundieren in der Regel in die Luft.

Unzählige Studien belegen, daß der Naturhaushalt weltweit durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erheblich geschädigt wird. (Bienenvolksterben, Amphibiensterben, Vogelsterben, u. v. m.)
Der Umweltbund e.V. wollte dies herausfinden und hat bei allen Länderministerien angefragt, um Regionen zu finden, wo man leben, Urlaub machen bzw. regionale Produkte kaufen kann, ohne einer Pestizidbelastung ausgesetzt zu sein. Es haben nicht alle Bundesländer geantwortet. Bei diesen kann man davon ausgehen, daß diese Länder uns keine Regionen nennen können, die in unserem Sinne uneingeschränkt zu empfehlen sind.

Das besorgniserregendes Ergebnis für Deutschland: es gibt keine pestizidfreie Region. Kein Bundesland konnte Regionen, Kurorte, oder Urlaubsziele nennen, wo man einer Exposition durch chemische Substanzen aus Landwirtschaft, Kommunen und Landschaftspflege entfliehen könnte. Menschen die bereits auf kleinste Giftmengen allergisch reagieren, müssen zur Erholung das Land verlassen.

Menschen die aufgrund landwirtschaftlicher Emissionen leiden, sind all dem ausgeliefert. Insbesondere in ländlichen Gebieten und an Stadträndern sind Bewohner fortwährend Pestiziden und Gülleaerosolen ausgesetzt. Wer die Symptome einer Pestiziderkrankung kennt, der macht sich erst bewußt, wie oft Pestizide in der konventionellen Landwirtschaft ausgebracht werden. Besonders betroffen sind Menschen, die in Weinbauregionen leben, wo oft mitten in der Stadt, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung tagsüber Fungizide und Insektizide gespritzt werden. Für Betroffene ist dies ein Martyrium, denn wegen Krankheiten, die durch Pestizidabdrift und Fäkalbakterien verursacht werden, will man in deutschen Amtsstuben nicht tätig werden.

Auch wenn die „gute fachliche Praxis“ eingehalten wird, ist Pestizidabdrift unvermeidbar. Pestizide aber machen krank, deshalb ist die Politik aufgefordert, zum Schutz der Bevölkerung das Recht auf pestizidfreie Wohnorte zu gewähren, der Schutzradius müßte sich an der EU-Bio-Bienenverordnung an den ca. 3 km Radius orientieren. Schon heute wäre dieses Recht durch die konsequente Umsetzung des ‚Pflanzenschutzgesetzes‘ und der ‚guten fachlichen Praxis‘ an sich zu erreichen. Solange die Bundesländer der Wahlfreiheit zu Pestizidfrei Leben und Verhinderung der Abdrift von Pestizidaerosolen nicht nachkommen, müßte der Bund die Zulassung aller Pestizide zum Wohl der Gesundheit der Bürger ruhen lassen.

Würde man nämlich Pflanzenschutzmitteln einen fluoreszierenden Marker zusetzen, würden binnen Stunden Häuser, Gärten, Hecken und Biotope leuchten. Von Verbraucherschutz keine Spur, die Emissionen der konventionellen Landwirtschaft muß jeder ertragen, auch der, der sich ausschließlich biologisch ernährt…
… doch es geht auch anders!